Eine Frau im Illuminatoren-Team: Eine Beatus-Handschrift, angelehnt an den Girona-Codex, und doch mit einzigartigen Miniaturen

Beatus von Liébana - Turiner Codex

Kathedrale von Gerona (Gerona, Spanien) — 12. Jahrhundert

Beatus von Liébana - Turiner Codex

Beatus von Liébana - Turiner Codex

Kathedrale von Gerona (Gerona, Spanien) — 12. Jahrhundert

  1. Ein prächtiger Beatus aus dem 12. Jahrhundert, eine Anlehnung an den Girona-Codex aus dem 10. Jahrhundert

  2. Der Kodex enthält einzigartige Illustrationen, die in keinem anderen Beatus-Manuskript zu finden sind

  3. In dem für das Manuskript verantwortliche Illuminatoren-Team arbeitete eine Frau - eine echte Rarität!

Beato de Turín

Beatus von Liébana - Turiner Codex

Majestas Domini

Von den vier Symbolen der Evangelisten flankiert und in einer kunstvollen Mandorla thronend, sehen wir Christus als Herrscher der Welt. Tatsächlich hält er die Welt mit der Bezeichnung Mund(us) zwischen Daumen und Ringfinger in seiner rechten Hand, während er in der linken ein Buch hält. Das Antlitz Christi ist streng, ein Spiegelbild des im Buch der Offenbarung beschriebenen göttlichen Zorns. So schaut er direkt den Leser an, als würde er ihn auffordern, jetzt seine eigene Seele in den Blick zu nehmen.

Beatus von Liébana - Turiner Codex

Alternativ-Titel:
  • Beatus of Liébana - Turin Codex
  • Beato de Turín
Beatus von Liébana - Turiner Codex – Ms.J.II.I (previously Lat.93) – Biblioteca Nazionale Universitaria di Torino (Turin, Italien)
Beatus von Liébana - Turiner Codex – Ms.J.II.I (previously Lat.93) – Biblioteca Nazionale Universitaria di Torino (Turin, Italien)
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  1. Kurzbeschreibung
  2. Kodikologie

Kurzbeschreibung

Der sogenannte Turiner Codex ist eine Beatus-Handschrift, die um 1100 in Katalonien entstanden ist. Von herausragender Qualität sind die insgesamt 106 Miniaturen, die zum Teil innovative Bilderfindungen – etwa die berühmte runde Weltkarte - präsentieren. Der Beatus-Codex von Turin ist eine unmittelbare Kopie des berühmten Beatus von Girona, der im Jahr 975 im wegweisenden Skriptorium des Klosters San Salvador de Tábara gefertigt wurde. Als solche steht der Turiner Codex in der Tradition „eines der wichtigsten spanischen Manuskripte aller Zeiten“!

Beatus von Liébana - Turiner Codex

Der sogenannte Turiner Codex ist eine Beatus-Handschrift, die um 1100 in Katalonien entstanden ist. Von herausragender Qualität sind die insgesamt 106 Miniaturen, die zum Teil innovative Bilderfindungen – etwa die berühmte runde Weltkarte - präsentieren. Der Beatus-Codex von Turin ist eine unmittelbare Kopie des berühmten Beatus von Girona, der im Jahr 975 im wegweisenden Skriptorium des Klosters San Salvador de Tábara gefertigt wurde. Als solche steht der Turiner Codex in der Tradition „eines der wichtigsten spanischen Manuskripte aller Zeiten“!

Die Offenbarung vom Ende der Welt

Der Apokalypse-Kommentar des Beatus von Liébana (gestorben nach 798) war ein Bestseller des hohen Mittelalters. Der Mönch und Theologe aus dem Kloster San Martín de Turieno bei Liébana verfasste um das Jahr 800 sein einflussreiches Hauptwerk: einen Kommentar zur Apokalypse des Johannes. Die biblische Erzählung vom Ende der Welt war das gesamte Mittelalter hindurch äußerst beliebt und einflussreich, weshalb sich auch der Kommentar des Beatus von Liébana großer Beliebtheit und weiter Verbreitung erfreute. Beatus verfasste seinen erklärenden und deutenden Kommentar zu den symbolisch aufgeladenen Offenbarungen des Johannes in 12 Büchern. Dieser erklärende Text wurde in zahlreichen, meist wunderbar illustrierten, großformatigen Handschriften festgehalten, von denen bis heute noch über 30 Exemplare erhalten sind. Diese gehören zu den bedeutendster Handschriften des Mittelalters in Nordspanien und sind wahre Schätze der Buchmalerei!

Die Kopie eines Meisterwerks

Der Beatus von Turin, benannt nach seinem heutigen Aufbewahrungsort, enthält auf 428 Seiten insgesamt 106 Miniaturen von herausragender Qualität. Entstanden ist die Handschrift wohl um 1100 in Katalonien, vermutlich in Ripoll in der Provinz Girona. Das Skriptorium von Ripoll war zu dieser Zeit ein Ort herausragender Kunstproduktion und hatte sich unter dem berühmten Abt Oliba zu einem Zentrum der Gelehrsamkeit und der Künste entwickelt. Mit dem Beatus von Turin entstand dort eine unmittelbare Kopie des berühmten Beatus von Girona.

Wegweisende Bilderfindungen in überzeugender Qualität

Diese Beatus-Handschrift von Girona wird heute im Archiv der Kathedrale von Girona aufbewahrt. Sie ist entstanden in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts, vermutlich im Jahr 975. Sowohl Schreiber, Miniaturist (eine Malerin!) und Auftraggeber des Beatus von Girona sind bekannt, da sie allesamt im Codex erwähnt werden. Der überaus wertvolle und außergewöhnliche Kodex, prachtvoll mit Gold und Silber geschmückt, enthält Darstellungen, die sonst in keinem anderen Beatus vorkommen, etwa Szenen zum Leben Christi in Form eines Bilderzyklus. Zum Teil bediente sich der Künstler der üblichen Motive, jedoch in herausragender Qualität, zum Teil aber verwendete er eine völlig neue, einzigartige Ikonographie. Der Beatus von Girona ist vermutlich im Skriptorium des Klosters San Salvador de Tábara entstanden und gilt als „eines der wichtigsten spanischen Manuskripte aller Zeiten“. Und auf eben jenes Meisterwerk stützten sich die Künstler des Turiner Codex als Vorlage für ihr eigenes Kunstwerk!

Kodikologie

Alternativ-Titel
Beatus of Liébana - Turin Codex
Beato de Turín
Umfang / Format
428 Seiten / 36,0 x 27,5 cm
Datum
12. Jahrhundert
Sprache
Buchschmuck
106 Miniaturen (93 im Beatus-Kommentar und weitere 13 im Buch Daniel)
Künstler / Schule
Beato de Turín

Beatus von Liébana - Turiner Codex

Der Drache und die Frau

Die Frau aus der Apokalypse ist eine der bekanntesten Figuren in der Offenbarung des Johannes und wird gemeinhin entweder als Jungfrau Maria oder als Volk Gottes im Ganzen interpretiert. In dieser großartigen zweiseitigen Miniatur erscheint sie ganz links mit der Sonne bekleidet, der Mond zu ihren Füßen und mit zwölf Sternen gekrönt (obwohl der Künstler offenbar zwei vergessen hat). Der rote, siebenköpfige Drache, der sich über die beiden Seiten erstreckt, will ihr Kind gleich nach der Geburt verschlingen.

Gott aber rettet das Kind, das oben rechts bei ihm schon in Sicherheit abgebildet ist, doch dies löst im Himmel Krieg aus. Vom Erzengel Michael angeführte und mit Speeren bewaffnete Engel steigen auf den Drachen herab, der den Satan darstellt und zusammen mit den gefallenen Engeln von ihnen niedergeworfen und besiegt wird. Die Engel in der Gefolgschaft des Drachen sind nackt und ganz ohne den schönen hellen Farbton ihrer früheren Engelsgewänder dargestellt.

1 verfügbare Faksimile-Ausgabe(n) von „Beatus von Liébana - Turiner Codex“

Beato de Turín
Beatus von Liébana - Turiner Codex – Ms.J.II.I (previously Lat.93) – Biblioteca Nazionale Universitaria di Torino (Turin, Italien)
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Faksimile: 1 Band Vollfaksimile des gesamten Originaldokuments (siehe unten)
Verlag
Testimonio Compañía Editorial – Madrid, 2000
Einband
Vollleder mit großzügigen Beschlägen und zwei Buchschließen
Kommentar
1 Band von Mauricio Herrero Jimenez
Sprache: Spanisch
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Möglichst detailgetreue Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband.
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