Gaston Phoebus - Das Buch der Jagd

Gaston Phoebus - Das Buch der Jagd – Faksimile Verlag – M.1044 – Morgan Library & Museum (New York, USA)

Paris (Frankreich) — Ca. 1407

Revolutionäre Naturdarstellungen im Standardwerk zur mittelalterlichen Jagd: Das gesammelte praktische Wissen über Wildtiere, Jagdtechniken und die Haltung von Jagdhunden in den großartigen Miniaturen des berühmten Bedford-Meisters

  1. Dieses Standardwerk zur Jagd wurde vom Grafen von Foix, Gaston Phoebus III. (1331–91), zwischen 1387 und 1389 geschrieben

  2. 1407 vom Bedford-Meister für Herzog Philipp den Kühnen (1342–1404) illuminiert

  3. Die perspektivische, dreidimensionale Natur der 87 Miniaturen war für die Kunst des Mittelalters revolutionär

Gaston Phoebus - Das Buch der Jagd

  1. Beschreibung
  2. Detailbild
  3. Einzelseite
  4. Faksimile-Editionen (1)
Beschreibung
Gaston Phoebus - Das Buch der Jagd

Das Buch der Jagd gehörte zu den beliebtesten Werken des Mittelalters: Es wurde zwischen 1387 und 1389 von Gaston Phoebus, einem französichen Grafen verfasst und in zahlreichen Abschriften verbreitet. Behandelt wird darin das weite Feld der Jagd, ihre Techniken, der Umgang mit Tieren und vieles mehr. Am Hofe Philipps des Kühnen entstand im Jahr 1407 die schönste und prächtigste Abschrift. Sie ist mit 87 unfassbar schönen Miniaturen aus dem Atelier des Bedford-Meisters versehen. Der Bedford-Meister gehört zu den begabtesten und berühmtesten Buchmalern des Mittelalters. Heute befindet sich die prachtvolle Handschrift in der Morgan Library in New York.

Gaston Phoebus – Das Buch der Jagd

In den Jahren 1387 bis 1389 verfasste der Graf von Foix und Vicomte von Béarn, genannt Gaston Phoebus, ein ausführliches Buch über die Jagd und widmete es 1389 seinem Jagdgenossen Phillip dem Kühnen. Das „livre de la chasse“, so der französische Titel des Werkes, ist heute in insgesamt 44 Abschriften überliefert. Als eine der herausragendsten Reproduktionen dieser Handschrift wird das Exemplar der Morgan Library in New York betrachtet. Das Buch der Jagd ist ein interessantes kulturgeschichtliches Zeitzeugnis und besaß eine so große naturwissenschaftliche Relevanz, dass es bis ins 19. Jahrhundert als Lehrbuch genutzt wurde. Die informative Handschrift ist unfassbar reich geschmückt mit insgesamt 87 lebendigen, opulent mit Blattgold und Pinselgold versehenen Miniaturen. Zusätzlich zu den großformatigen Miniaturen ist das Werk mit etwa 126 großen, fantasievollen Initialen in prächtiger Farbenvielfalt illustriert.

Die Naturkunde des Mittelalters

Der begeisterte Jäger Gaston Phoebus beschrieb in seinem Manuskript die Jagd und die dazugehörenden Tätigkeiten in großer Ausführlichkeit. Allerdings handelt das Werk nicht nur von den gängigen Formen der Jagd. Durch seine ausgeprägten Beobachtungen verschiedener Tiergattungen gelang es Gaston, lange vor der Zeit empirischer Wissenschaften ein maßgebliches Meisterwerk der mittelalterlichen Naturkunde zu verfassen. Das Buch der Jagd wurde bald zu einem der meistgelesenen und weit verbreitetsten Bücher der Gotik. Am französischen und am burgundischen Hof wurde es nicht nur als Naturstudie und Lehrbuch betrachtet, sondern auch als Kunstwerk. Zahlreiche Künstler versuchten, die sagenhaft genauen Schilderungen des Buches in hochwertige Miniaturen umzuwandeln. Die Meister der Bedford-Werkstatt erreichten dabei das mit Abstand höchste Niveau. Ihre illuminierte Handschrift wird von der Forschung zu den schönsten Manuskripten des Mittelalters gezählt.

Meisterarbeit aus dem Atelier Bedford

Herzog Philipp der Kühne, dem die Originalhandschrift gewidmet war, beauftragte die begabtesten Künstler von Paris mit der Neubearbeitung seines Buches. Die Künstler aus dem Atelier des berühmten und hoch angesehenen Bedford-Meisters schufen Miniaturen von überraschender und frischer Lebendigkeit. Charakteristisch für ihren Stil ist insbesondere ein einzigartiger Umgang mit plastischen Formen und Gesichtern wie auch der weichschwingende Faltenwurf. 87 außergewöhnliche Miniaturen illustrieren das Manuskript. Die aufregenden Bilder in leuchtend frischen Farben auf prächtigem, verschieden bearbeitetem Goldgrund versetzen jeden Betrachter in Staunen. Liebevolle Tier- und Naturstudien und wirklichkeitsgetreuen figürlichen Szenen überzeugen ebenso wie der sensible Umgang mit Farbe. Besonders erstaunt die gekonnte Umsetzung von Tiefe und Plastizität in den Bildern. Eine solch perspektivische, dreidimensionale Malerei war für die Kunst des Mittelalters wahrhaft revolutionär. Keine weitere Fassung des Buches der Jagd kann sich mit diesem hohen Niveau der Buchmalerei messen.

Kodikologie

Alternativ-Titel
Gaston Phoebus – The Master of Game
Umfang / Format
252 Seiten / 38,1 × 29,0 cm
Herkunft
Frankreich
Datum
Ca. 1407
Stil
Buchschmuck
87 lebendige Miniaturen, reich verziert mit Blattgold und Pinselgold, 126 einfallsreiche großen Initialen
Inhalt
Das Buch ist in vier Abschnitte gegliedert:
Über zahme und wilde Tiere
Über das Wesen und die Pflege des Hundes
Über Anweisungen für die Jagd mit Hunden
Über die Jagd mit Fallen, Schlingen und Armbrust
Auftraggeber
Phlipp der Kühne, Herzog von Burgund (1342–1404)
Künstler / Schule
Vorbesitzer
Ludwig I., Herzog von Orléans (1372-1407)
Franz II., Herzog von der Bretagne (1433 -88)
Königin Isabella I. von Kastilien (1451-1504)
König Ferdinand II. von Aragonien (1452-1516)

Verfügbare Faksimile-Editionen:
Gaston Phoebus - Das Buch der Jagd – Faksimile Verlag – M.1044 – Morgan Library & Museum (New York, USA)
Faksimile Verlag – Luzern, 2005
Limitierung: 980 Exemplare
Detailbild

Gaston Phoebus - Das Buch der Jagd

Eine Falle für Wölfe

Der große Kampf des Mittelalters, der jedoch nicht in Heldenliedern besungen wurde, war die Auseinandersetzung mit den Wölfen: Die Wälder des mittelalterlichen Europas waren voll von bösartigen Wolfsrudeln, denen Nutztiere und Menschen gleichermaßen zum Opfer fielen. Hier sehen wir in einem Zaun in der Mitte als Köder entweder ein Lamm oder ein Schaf zusammen mit dem abgetrennten Hinterteil eines anderen Tieres, vielleicht eines Hirsches. Schon ist ein Wolf in den äußeren Zaun geraten und ist jetzt zwischen den konzentrischen Kreisen gefangen, während sein Kamerad ihm nur noch hilflos zuschauen kann.

Gaston Phoebus - Das Buch der Jagd
Einzelseite

Gaston Phoebus - Das Buch der Jagd

Wildschweinjagd

Wildschweine gehören zu den gefährlichsten Wildtieren und greifen nicht nur manchmal Menschen an, sondern sind auch dann noch gefährlich, wenn ihnen bereits tödliche Verwundungen beigebracht worden sind. Selbst mit der Unterstützung wilder Hunde und einem Speer in der Hand war die Jagd auf einen Eber für einen Ritter die größte kämpferische Herausforderung, die es für ihn in Zeiten des Friedens nur geben konnte.

Trotz der Gewalt in der Szene bemüht sich diese Miniatur um ästhetischen Anspruch: Dynamische Bewegungen, frische Farben und ein elegant gemusterter roter Hintergrund sorgen für eine meisterhafte Komposition. Ein Jäger mit gelben Stiefeln, einem gebogenen Jagdschwert, einer grünen Tunika und einem grauen Hut sticht einem Eber im Vordergrund in die Seite, während ein grauer Hund mit schwarzem Halsband schon zum tödlichen Biss ansetzt. Währenddessen taucht ein Rudel Jagdhunde aus dem Wald auf und hält die anderen Eber in Schach.

Gaston Phoebus - Das Buch der Jagd
Faksimile-Editionen

#1 Gaston Phoebus - Das Buch der Jagd

Faksimile Verlag – Luzern, 2005

Details zur Faksimile-Edition:

Verlag: Faksimile Verlag – Luzern, 2005
Limitierung: 980 Exemplare
Einband: Vorbild für den Faksimileband ist ein blauer Seideneinband aus der Bibliothek König Ludwigs XII. Die eigens nachgewebte feine Seide ist mit goldenen Lilien bestickt, dem Wappen der französischen Königsfamilie. Der edle Eindruck des Bandes wird durch die Verwendung feinsten Pergaments vollendet, mit dem der Buchbinder den Buchrücken bezieht. Faksimileband und Kommentarband werden in einem schützenden Schuber aus Acrylglas geliefert.
Kommentar: 2 Bände von Yves Christe, Antoine d’Escayrac-Lauture, William Voelkle und François Avril
Sprachen: Deutsch, Französisch
Faksimile: 1 Band Möglichst detailgetreue Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband.
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