Enstanden in der Wenzelswerkstatt: Das Schachspiel als Allegorie auf die menschliche Gesellschaft

Schachbuch des Jacobus de Cessolis - Codex Madrid

Prag (Tschechien) — 1400-1425

Schachbuch des Jacobus de Cessolis - Codex Madrid

Schachbuch des Jacobus de Cessolis - Codex Madrid

Prag (Tschechien) — 1400-1425

  1. Der Zauber des Schachspiels hat die Menschen verzaubert, seit es im Mittelalter nach Europa kam

  2. In seinem Schachbuch sammelt Jacobus de Cessolis (ca. 1250 - ca. 1322) Texte aus Predigten, in denen das Spiel der Könige als Allegorie der Gesellschaft diente

  3. Das Codex aus Madrid entstand in der Wenzelswerkstatt und ist entsprechend meisterlich illuminiert

Tractatus de Ludo Scacorum

Schachbuch des Jacobus de Cessolis – Codex Madrid

Schachspiel mit einem König

Die obere Miniatur zeigt drei Schachspieler, die in einem Gesellschaftszimmer vor golddurchwirkten Tapisserien um ein Schachbrett sitzen. Die bekrönte Figur auf der rechten Seite ist augenscheinlich von königlichem Rang und trägt einen kostbaren, hermelinbesetzten Mantel. Ihrem Gegenüber in Blau schielt ein Mann mit einem modischen, rosafarbenen Turban über die Schulter: Hat er einen scharfsinnigen nächsten Zug im Sinn oder rät er seinem Freund doch lieber dazu, den König gewinnen zu lassen?

Schachbuch des Jacobus de Cessolis - Codex Madrid

Alternativ-Titel:
  • Tractatus de Ludo Scacorum
  • The Play of Chess by Jacobus de Cessolis
  • Liber de moribus hominum et officiis nobilium sive super ludum scaccorum
Schachbuch des Jacobus de Cessolis - Codex Madrid – Vit. 25 - 6 – Biblioteca Nacional de España (Madrid, Spanien)
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  1. Kurzbeschreibung
  2. Kodikologie

Kurzbeschreibung

Die Faszination des Schachspiels begeistert die Menschen, seit es im Mittelalter aus Persien und dem arabischen Raum nach Europa kam. Durch Schachtraktate fand es ab dem 13. Jahrhundert weite Verbreitung. Eine der ersten dieser Abhandlungen, die sich mit dem „königlichen Spiel“ beschäftigten, war das berühmte Schachbuch des Jacobus de Cessolis aus dem Jahr 1330. Die Darstellung des Schachspiels als Allegorie der Gesellschaft war in zum Teil wunderbar gestalteten Handschriften verbreitet. Die spanische Nationalbibliothek in Madrid bewahrt ein besonders prachtvolles Exemplar auf, das zu Beginn des 15. Jahrhunderts in Tschechien entstanden ist und mit seinen herrlichen Miniaturen begeistert.

Schachbuch des Jacobus de Cessolis – Codex Madrid

Die Faszination des Schachspiels begeistert die Menschen, seit es im Mittelalter aus Persien und dem arabischen Raum nach Europa kam. Durch Schachtraktate fand es ab dem 13. Jahrhundert weite Verbreitung. Eine der ersten dieser Abhandlungen, die sich mit dem „königlichen Spiel“ beschäftigten, war das berühmte Schachbuch des Jacobus de Cessolis aus dem Jahr 1330. Die Darstellung des Schachspiels als Allegorie der mittelalterlichen Gesellschaft war in zum Teil wunderbar gestalteten Handschriften verbreitet. Die spanische Nationalbibliothek in Madrid bewahrt ein besonders prachtvolles Exemplar auf, das zu Beginn des 15. Jahrhunderts in Tschechien entstanden ist und mit seinen herrlichen Miniaturen begeistert.

Der berühmte Autor des Schachtraktates

Jacobus de Cessolis war ein italienischer Dominikanermönch aus dem 14. Jahrhundert. 1330 veröffentlichte Cessolis sein Schachtraktat unter dem Titel Liber de moribus hominum et officiis nobilium ac popularium super ludo scacchorum (Buch von den Sitten der Menschen und den Pflichten der Vornehmen und Niederen durch das Schachspiel). Mit dieser Schrift - einer der ersten, die sich eingehend mit dem Strategiespiel auseinandersetzten - erlangte de Cessolis große Berühmtheit und wurde in ganz Europa bekannt. Sein Schachbuch war eines der meistgelesenen Bücher des Spätmittelalters.

König, Dame, Bauer...

In seinem Schachbuch versammelte Jacobus de Cessolis Texte aus Predigten, in denen das Spiel der Könige als Allegorie der Gesellschaft diente. Auf spannende Weise werden die verschiedenen Ständen der mittelalterlichen Gesellschaft auf die Schachfiguren übertragen: es gibt einen König und einen Bauer, aber auch die einzelnen Berufe spielen eine Rolle. Auf diese Weise wollte de Cessolis moralisch-didaktisch als Wertevermittler auftreten, der die Symbolik des Schachspiels dafür verwendet. Dieser gesellschaftskritische Aspekt war es wohl, der seinem unterhaltsamen Schachbuch eine solch große Popularität verlieh. Nach der Bibel war es wohl das meist gelesene literarische Werk dieser Zeit!

Die grandiose künstlerische Ausstattung

Auch für die Buchmalerei bot das Schachbuch des Jacobus de Cessolis wunderbare Vorlagen. Zahlreiche faszinierende Handschriften zeugen davon. Ein herausragendes Exemplar dieser illustrierten Schachbücher wurde um 1400-1425 in Prag gefertigt. Der Codex, der heute in Madrid aufbewahrt wird, versammelt auf 100 Seiten eindrückliche Miniaturen, die den lateinischen Text überaus reich illustrieren. 15 meist halbseitige Miniaturen präsentieren vor aufwändig ornamental gestalteten Goldhintergründenliebevolle Szenen vom Schachspiel, aus dem Alltag oder mit königlichen Protagonisten. Die Faszination des Schachspiels wird etwa in einer Darstellung von wild gestikulierenden Spielern verdeutlicht, die sich rund um ein Brett versammelt haben. Dass es sich bei dem Künstler, der diese Miniaturen schuf, um einen Meister seines Faches gehandelt hat, wird eindrücklich durch die herausragende Qualität der Malereien vor Augen geführt. Eine verblüffende Räumlichkeit prägt die Miniaturen, ob bei den Innenszenen oder der Darstellung einer Stadt. Die Figuren werden liebevoll charakterisiert und eine Vielfalt an Farben gekonnt eingesetzt. So gelingt es dem Künstler, dem unterhaltsamen und zugleich lehrreichen Schachtraktat des Jacobus de Cessolis einen angemessenen künstlerischen Rahmen zu verleihen.

Kodikologie

Alternativ-Titel
Tractatus de Ludo Scacorum
The Play of Chess by Jacobus de Cessolis
Liber de moribus hominum et officiis nobilium sive super ludum scaccorum
Umfang / Format
100 Seiten / 17,5 x 11,5 cm
Datum
1400-1425
Sprache
Latein
Buchschmuck
15 Miniaturen
Künstler / Schule
Vorbesitzer
Tractatus de Ludo Scacorum

Tractatus de Ludo Scacorum

Die Stadt Babylon

Schach stand oft als Metapher für die idealisierte Stadt Babylon, die selbst wiederum im Mittelalter eine Metapher für eine geordnete Welt war. Die 64 Felder des Schachbretts repräsentieren sowohl die Länge der Stadtmauer von Babylon - der Legende nach 64 Meilen - als auch das ordentliche Gittermuster, mit dem die Stadt unterteilt war. Das antike Babylon wird hier im Stil einer spätmittelalterlichen Stadt präsentiert.

In der Bas-de-page-Miniatur sitzen sich zwei reich gekleidete Männer gegenüber und spielen Schach, wobei die stilisierten Falten ihrer Kleidung Einflüsse des sogenannten Zackenstils verraten. In dem herrlich grünen Hintergrund mit filigranen Blattgoldranken hinter der Stadt lässt sich ein früher Versuch erkennen, mit der Perspektive zu arbeiten: Viele Details der Stadt innerhalb der Stadtmauer werden so gut sichtbar.

2 verfügbare Faksimile-Ausgabe(n) von „Schachbuch des Jacobus de Cessolis - Codex Madrid“

Tractatus de Ludo Scacorum
Schachbuch des Jacobus de Cessolis - Codex Madrid – Vit. 25 - 6 – Biblioteca Nacional de España (Madrid, Spanien)
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