Rohan-Stundenbuch

Ms. Lat. 9471 - Bibliothèque nationale de France (Paris, Frankreich)

Alternativ-Titel:

Grandes Heures de Rohan, Rohan Hours, Grandes Horas de Rohan

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Kodiologie

Alternativ-Titel

Grandes Heures de Rohan
Rohan Hours
Grandes Horas de Rohan

Art
Umfang / Format

478 Seiten / 29.0 x 21.0 cm

Herkunft
Datum
1430-1435
Stil
Genre
Sprache
Auftraggeber

Wahrscheinlich Jolanthe von Aragón, die Frau Ludwigs II. (1380-1443)

Künstler / Schule

Rohan-Meister und dessen Werkstatt; Einflüsse des Bedford- und Boucicaut-Meisters

Buchschmuck

Jede Seite ist mit mindestens einer Miniatur und Goldschmuck ausgestattet, insgesamt 537 Miniaturen (12 ganzseitige, 54 halbseitige und 471 mittelgroße)

Vorbesitzer

René d’Anjou
Isabella Stuart (1426-1494), Herzögin der Bretagne
John II., Vizegraf von Rohan
Jesuiten
Herzog von La Vallière

Kurzbeschreibung

Das Stundenbuch von Rohan ist eines der erstaunlichsten Stundenbücher, die je in der Geschichte der französischen Buchkunst geschaffen wurden. Als erstes Stundenbuch der Welt führte es ganzseitige Miniaturen ein und brach mit den strengen Konzeptionsregeln für mittelalterliche Stundenbücher. Es wurde etwa zwischen 1430 und 1435 in Paris hergestellt. Für seine hochwertige Gestaltung war der unglaublich talentierte Rohan-Meister, zusammen mit nicht minder begabten Mitarbeitern seines Künstlerateliers verantwortlich. Die „Grandes Heures de Rohan“ erstaunen nicht nur durch ihr unfassbar vielfältiges und revolutionäres Bildprogramm, sondern ebenso durch ihre bewegende und Geheimnisvolle Besitzgeschichte.

Verfügbare Faksimile-Ausgaben

Beschreibung

Das Rohan-Stundenbuch

Das Stundenbuch von Rohan ist ein herausragend illuminiertes Manuskript, das auf eine unvergleichbare Geschichte zurückblicken kann. Bis heute geben Teile seiner Entstehungs- und Besitzgeschichte der historischen Forschung Rätsel auf. Es handelt sich bei diesem Codex um ein Gebets- und Andachtsbuch für den privaten Gebrauch. Allerdings missachtet der Rohan-Codex die strengen Konzeptionsregeln für mittelalterliche Stundenbücher und erfand diese Buchgattung neu für sich. Sein Bildprogramm weicht von allen bisherigen Darstellungszyklen ab, bezieht neuartige Themen ein und besticht dabei durch fantastischen Ideenreichtum. Das überaus reich verzierte, in lateinischer Sprache verfasste Werk zeigt auf jeder seiner über 460 Seiten mindestens eine Miniatur. Darunter befinden sich 12 ganzseitige, 54 halbseitigen und 471 mittlere Miniaturen.

Ein Auftrag des Hauses Anjou?

Das Stundenbuch trägt seinen Namen nach einem späteren Besitzer aus dem Haus Rohan. Das Herrscherhaus Rohan war eine bedeutende bretonische Adelsfamilie, nach der Paläste in Paris und Straßburg, aber auch das noble Reitervolk in Tolkiens Roman Herr der Ringe benannt ist. In Auftrag gegeben wurde die Handschrift allerdings mit größter Wahrscheinlichkeit von einem Mitglied eines anderen berühmten Herrscherhauses. Da zur Entstehung des Stundenbuches keine schriftlichen Quellen existieren, konnte die Auftraggeberschaft lediglich über die Betrachtung vergleichbarer Codices ermittelt werden. Es handelt sich hierbei wohl um Jolanthe von Aragón, die Frau Ludwigs II. von Anjou, die das persönliche Gebetbuch für einen ihrer Söhne anfertigen ließ, vermutlich für René. Die Herrscherfamilie der Anjou, eines der wohlhabendsten Herrscherhäuser Frankreichs, war für ihre Liebe zu den bildenden Künsten bekannt und realisierte einige der hochwertigsten illuminierten Manuskripte, die im Mittelalter entstanden sind.

Eine bewegende Geschichte

Durch die Übermalung einer Seite im Stundenbuche gelangte das Wappen der Familie de Rohan in den Codex und gab den „Grandes Heures de Rohan“ ihren Namen. Sein erster Besitzer war vermutlich der Sohn der Jolanthe von Aragon, René von Anjou. Dieser wurde 1431 in der Schlacht von Bulgnéville durch Antoine de Vaudémont besiegt, dem Vater der Maria von Lothringen, die mit Alain IX. de Rohan verheiratet war. René von Anjou geriet in den Wirren der Schlacht in Gefangenschaft und als Teil des auferlegten Lösegeldes könnten die kostbaren Grandes Heures in den Besitz des Hauses Rohan gekommen sein. Es ist nicht nachweisbar, wie lange sich die Grandes Heures im Besitz der Familie de Rohan befanden. Ein Vermerk auf dem ersten Blatt der Handschrift belegt, dass sie im 18. Jahrhundert in Paris in einer Bibliothek der Jesuiten aufbewahrt wurde. Später gelangte sie in den Besitz des Herzogs de La Vallière, aus dessen Sammlung sie die königliche Bibliothek erwarb. Die Nachfolgerin dieser königlichen Bibliothek ist die französische Nationalbibliothek in Paris, in welcher sich das historisch bedeutende Stundenbuch noch heute befindet.

Einmalige künstlerische Vielfalt

Zweifelsfrei waren mehrere französische Meister an der Gestaltung des erstaunlichen Stundenbuches beteiligt. Einige Miniaturen stammen aus der Feder des unfassbar talentierten, sogenannten Rohan-Meisters. Dieser Künstler fertigte die beeindruckenden, ganzseitigen Darstellungen sowie einige kleinere Miniaturen des Werkes an. Ebenso war er für die Skizzierung von Figuren und Hintergründen der meisten anderen Bildnisse im Werk verantwortlich, deren farbliche Gestaltung von Mitarbeitern seines Künstlerateliers übernommen wurde. Die halbseitigen Miniaturen wurden von einem nicht minder begabten, originellen Illuminator angefertigt, bei welchem es sich wahrscheinlich um einen talentierten Schüler des Rohan-Meisters handelte. Die restlichen Verzierungen des Werkes, die sehr vielfältig gestaltet sind, wurden weiteren Mitarbeitern des Hauptgestalters anvertraut. Erstmals in der Geschichte der handgeschriebenen Stundenbücher wurden hier ganze Seiten füllende Miniaturen geschaffen. Das weit gefächerte Bildprogramm zeigt nicht nur die üblichen Bildszenen des Marienoffiziums, der Fürbitten und des Totenoffiziums. Besonders beeindruckend sind zwölf einen Kalender begleitende Monatsbilder gestaltet, die ganz von der Erregung der Zeit geprägt sind und über denen fast wie Unheilszeichen schwebend die Tierkreiszeichen im Himmel erscheinen.

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